Sprungziele
Gemeinde Henstedt-Ulzburg

Vom Bergbau bis zur Luftfahrt: MARANGONI setzt in Henstedt-Ulzburg auf Reifenrunderneuerung

Drei Personen präsentieren eine neue Lauffläche für einen Reifen.

Ob im Steinbruch, auf dem Flughafenrollfeld oder auf der Autobahn: Reifen, deren Lauffläche in Henstedt-Ulzburg für die Runderneuerung hergestellt wird, sind rund um den Globus im Einsatz. Bürgermeisterin Ulrike Schmidt und Wirtschaftsförderer Sebastian Döll besuchten die MARANGONI Retreading Systems Deutschland GmbH und informierten sich über Produktion, Marktentwicklung und die Bedeutung des Standorts.

„Mit MARANGONI haben wir einen weiteren typischen Hidden Champion bei uns in Henstedt-Ulzburg“, sagte Ulrike Schmidt beim Rundgang durch die Produktionshallen in der Straße Immenhacken. „Wir schätzen sehr, dass das Unternehmen dem Standort so lange die Treue gehalten hat und ihn auch heute weiterhin gutheißt.“ Seit 1993 fertigt MARANGONI in Henstedt-Ulzburg Laufflächen und Materialien für die Reifenrunderneuerung, im Jahr 2000 kam ein Logistikzentrum als zweiter Standort hinzu. Knapp 120 Mitarbeitende sind laut Auskunft des Unternehmens in Henstedt-Ulzburg beschäftigt, rund zwei Drittel davon im gewerblichen Bereich.

Auf die Frage, ob man den Standort heute erneut wählen würde, kommt von Prokurist Clemens Zimmermann ein schnelles, klares „Ja“ – begründet mit der guten Lage an der A7 und der Nähe zu Hamburg und dem Hafen als bedeutendem Kautschukumschlagplatz. „Von Henstedt-Ulzburg aus bedienen wir die Kundschaft in Europa nördlich der Alpen, das Schwesterwerk in Italien kümmert sich um den Süden Europas. Weltweit ist der Konzern mit acht Werken und Vertriebsstandorten auf allen Kontinenten vertreten“, so Clemens Zimmermann. „Rund 60 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet MARANGONI am Standort, jährlich entstehen hier Laufflächen für 450.000 bis 500.000 LKW-Reifen.“ Wie der Prokurist erklärte, zählt zu den Abnehmern auch die Bergbaubranche, die die tonnenschweren Reifen ihrer Muldenkipper runderneuern lässt, sowie die Luftfahrt: Flugzeugreifen werden mehrfach runderneuert und müssen dabei höchsten Sicherheitsstandards genügen. „So wie jemand die Schuhsohlen für den Schuster herstellt, der diese an die Schuhe anbringt, stellen wir Reifenlaufflächen her, die Runderneuerer dann auf die Reifenkarkasse aufbringen“, machte Clemens Zimmermann das Produkt deutlich und der technische Betriebsleiter Daniel König ergänzte: „Ein runderneuerter Reifen ist einem Neureifen in puncto Sicherheit absolut gleichwertig. Möglich macht das unter anderem das von MARANGONI entwickelte Ringtread-System, bei dem ein stoßfreier Ring auf vorbereitete Karkassen aufgebracht wird; alternativ kommen passgenau zugeschnittene Laufstreifen zum Einsatz.“ Da die Karkasse, wie er erklärt, über 70 Prozent eines Reifens ausmacht, lässt sie sich mehrfach mit neuen Laufflächen versehen. „Das spart erhebliche Ressourcen und verlängert die Lebensdauer deutlich. Auch wirtschaftlich lohnt sich das Verfahren: Dank geringerem Rollwiderstand und längerer Laufleistung unterbietet ein runderneuerter Premiumreifen bei den Kosten pro Kilometer sogar einen günstigen Neureifen“, so Daniel König. „Dennoch begegnen manche der Reifenrunderneuerung weiterhin mit Skepsis: Wir beobachten, dass wir bei öffentlichen Ausschreibungen zur Reifenbeschaffung teilweise ausgeschlossen werden – obwohl ein solcher Ausschluss rechtlich nicht zulässig und inhaltlich unbegründet ist. Werden wir darauf aufmerksam, weisen wir die ausschreibende Stelle entsprechend hin.“ 

Das Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft prägt das Geschäftsmodell der Reifenrunderneuerung – und hilft MARANGONI auch bei der Gewinnung neuer Mitarbeitender, wie Clemens Zimmermann feststellt. Das Unternehmen setzt stark auf eigene Ausbildung, um die Beschäftigten bestmöglich auf die betriebsspezifischen Tätigkeiten vorzubereiten: Ausgebildet wird zum/zur Maschinen- und Anlagenführer/-in - Schwerpunkt Metall- und Kunststofftechnik (m/w/d), Mechatroniker/-in (m/w/d) und Verfahrensmechaniker/-in für Kautschuk- und Kunststofftechnik (m/w/d) ebenso wie im kaufmännischen Bereich, wo neben Industriekaufleuten (m/w/d) seit 2025 auch ein duales Studium im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen möglich ist. Aufstiegsmöglichkeiten sind im Unternehmen fest verankert: „Viele der ehemaligen Auszubildenden sind heute in führenden Positionen im Unternehmen tätig“, so Clemens Zimmermann. „Entsprechend bleiben viele Mitarbeitende dem Unternehmen über Jahrzehnte treu – ‘Gummi klebt‘, wie man bei uns gerne sagt, wenn es um die Faszination für den Werkstoff geht.“

Wirtschaftsförderer Sebastian Döll zeigte sich beeindruckt: „MARANGONI überzeugt gleich mehrfach: als Ausbildungsbetrieb mit klaren Aufstiegsperspektiven, als Arbeitgeber mit langjährig treuer Belegschaft und als Unternehmen mit einem faszinierenden, nachhaltigen Geschäftsmodell. Genau solche Betriebe machen den Wirtschaftsstandort Henstedt-Ulzburg in der NORDGATE-Region stark.“

Drei Personen schauen sich Gummi an.
Fünf Personen stehen hinter einem Schild mit dem Firmenlogo.