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Gemeinde Henstedt-Ulzburg

Ein Streifzug durch die Geschichte

Die amtsfreie Großgemeinde Henstedt-Ulzburg wurde am 01.01.1970 durch den Zusammenschluss der Dörfer Götzberg, Henstedt und Ulzburg gebildet. Kommen Sie mit auf einen Streifzug durch die Geschichte unserer heutigen Gemeinde.

Das Bild in Schwarz-Weiß zeigt die Hamburger Straße im Jahr 1902. Sie hat keinen Straßenbelag. Es sind mehrere Personen vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter zu sehen, die auf der Straße stehen. Im Hintergrund steht auf der Fahrbahnmitte ein von einem Pferd gezogener Wagen, auf dem ein Mann sitzt. Rechts von der Straße verläuft eine Baumreihe und hinter dieser eine Bahntrasse.
Hamburger Straße im Jahr 1902

Die drei Ursprungsgemeinden waren durch Ackerbau und Viehzucht geprägt und entstanden im Mittelalter. Urkundlich erwähnt wurde Ulzburg erstmals im Dezember 1339, Henstedt im Jahr 1343 und Götzberg 1520. Archäologische Funde zeigen, dass hier bereits seit der Altsteinzeit Menschen lebten und in der Bronze- und Eisenzeit schon erste Ansiedlungen bestanden.

Die Dörfer im Mittelalter und in der Neuzeit

Durch die Lage an einem alten Heer- und Handelsweg („via regia“) wurde Ulzburg zu einem wichtigen Rastort nördlich von Hamburg beziehungsweise Altona. Im frühen Mittelalter befand sich in der Nähe der Pinnaufurt eine Ringwallburg. Das hiernach benannte Dorf Ulzburg wurde erst später durch Kolonisationsmaßnahmen im Hochmittelalter gegründet. Im Süden des Ortes befand sich eine große, durch Steuerfreiheit privilegierte Hofstelle mit einem königlichen Gasthaus. Spätestens seit 1636 war dieser „Königliche Krug“ zugleich eine Zollstätte zur Kontrolle des Warenverkehrs an der Südgrenze des dänischen Gesamtstaates. Unter anderem wurden große Ochsenherden nach Hamburg und zur Elbfähre Zollenspieker vorbeigetrieben – als Teil des Fernhandels zwischen Jütland und den deutschen Reichsstädten beziehungsweise den Niederlanden. Entsprechend groß war die Anzahl der Gaststätten im Durchgangsort. Ein großer Teil der in Ulzburg ansässigen Einwohnerschaft verdiente mit Beherbergungen, Bewirtungen und handwerklichen Dienstleistungen einen Hauptteil ihres Lebensunterhaltes. Mit Zunahme des Reiseverkehres wurde 1764 eine Hauptpoststation eingerichtet. Nach Fertigstellung der ersten holsteinischen „Kunststraße“, der Chaussee von Altona nach Kiel (der heutigen B4), verlor Ulzburg in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts fast gänzlich seine Bedeutung als Transitort. Die Zollstelle wurde nach Harksheide verlegt und die Poststation geschlossen.

Henstedt ist das älteste Dorf der Region. Die Namensendung auf „-stedt“ verweist auf eine Gründungszeit im frühen Mittelalter (8. – 10. Jahrhundert). Henstedt entwickelte sich rund um den noch bestehenden Teich „Wöddel“ mit seinen 17 Vollhufenstellen zu einem der größten Dörfer im Amt Segeberg. Seine Ländereien umfassten ein weites Gebiet, darunter auch die Moor- und Heidelandschaft um die Oberalster.

Auch das kleinere Götzberg auf einem Endmoränenhöhenzug ist ein altes Dorf. Nach früheren Überlieferungen sollen hier die ersten christlichen Taufen stattgefunden haben, worauf auch die auf alten Karten zu findende Ortsbezeichnung „Gottesberg“ hinweist. Die Gemarkung Götzbergs zieht sich weit nach Osten bis zum Forst Endern hin.

Bis in die Neuzeit waren weite Gebiete der Region bewaldet. Wie die anderen Dorfschaften am Kisdorfer Wohld hatte die Henstedter und Götzberger Bevölkerung den Holz- und Holzkohlenverkauf als hauptsächliche Bargeldquelle. Vor allem als durch die Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges dringend Bauholz benötigt wurde, nahm der Holzschlag große Ausmaße an. Im 18. Jahrhundert kam der Torfabbau und sein Verkauf als Heizmaterial in Altona und Hamburg hinzu.

Das Bild zeigt eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des Bahnhofs Henstedt – Kisdorf. Vor dem Gebäude befindet sich eine zweigleisige Bahntrasse. In der rechten Bildhälfte steht auf dem hinteren Gleis eine kleine Dampflokomotive mit zwei Waggons. Vor dem Bahnhofsgebäude stehen zwei gemischte Gruppen von Personen.
Bahnhof Henstedt-Kisdorf

Agrarreform und Landhandel im 19. Jahrhundert

Die vernachlässigten landwirtschaftlichen Verhältnisse besserten sich erst nach der „Verkoppelung“ von 1795. Bei dieser Agrarreform wurden die zuvor gemeinschaftlich genutzten und zerstückelten Ländereien in größeren Komplexen der bäuerlichen Bevölkerung als Privateigentum zugeteilt. In der Folge entstanden durch Rodungen und Urbarmachungen von Wald- und Heidegebieten neue bewirtschaftete Flächen. Die Zahl der Hofstellen stieg. Zugleich nahm die Zahl der Handwerkbetreibenden zu. Es entwickelte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts ein reger Landhandel. In Henstedt und Ulzburg entstanden Meierei- und Landmaschinenbetriebe, in Götzberg wurde 1877 die noch heute existierende Windmühle errichtet.

Henstedt wurde mit dem Bau der Kirche 1880 zum Kirchdorf und durch die preußische Verwaltungsreform von 1888 zum Amtssitz für die umliegenden Dörfer. In dieser Zeit wurden zahlreiche Geschäfte, Handwerksbetriebe und die Ziegelei Vogelsang gegründet.

In Ulzburg bildeten Milch- und Butterhandel, Fuhrwesen und Gastwirtschaften die wirtschaftliche Grundlage. Durch den Bau der Eisenbahnlinie von Altona nach Kaltenkirchen (AKN) 1884 und der Fertigstellung der Eisenbahnlinie Elmshorn-Barmstedt-Oldesloe (EBO) 1907 erhielt der Ort eine neue Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt im südlichen Holstein.

Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt einen Treck von Geflüchteten am Beckersberg. Auf der unbefestigten Straße im Bildvordergrund steht ein mit vier Pferden bespannter Holzwagen, auf dem vorne drei Personen sitzen. Ihm folgen zwei weiteren Wagen. Auch Personen, die zu Fuß unterwegs sind, sind zu sehen. Im Bildhintergrund ist der Gasthof Beckersberg mit der reetgedeckten Rotunde zu sehen.
Flüchtlingstreck am Beckersberg (Anfang 1945)

Wirtschaftskrise, Nationalsozialismus und die Kriegsfolgen

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und den folgenden Krisenjahren kam diese wirtschaftliche Entwicklung zum Stillstand.

Nach 1928/29 bildete sich in Henstedt-Rhen, wo sich zuvor nur einige wenige Hofstellen befanden, eine vom Ortskern abgelegene Siedlung. Ein großer Teil der in Hamburg arbeits- und wohnungslos gewordenen Menschen ließen sich inmitten der aufgeforsteten Parzellen nieder – in oft primitiven Behausungen. Später wurde die Rhener Siedlung durch staatliche Wohnungsbauprojekte gefördert.

Die wirtschaftliche Krise führte zur politischen Radikalisierung. Die Bevölkerung in Ulzburg, Henstedt und Götzberg wandte sich – wie die Region insgesamt – bereits in den Jahren vor 1933 in großer Zahl dem Nationalsozialismus zu.

Der Zweite Weltkrieg erfasste mit seinen Folgen auch die Dörfer der heutigen Großgemeinde. Ein Großteil der männlichen Bevölkerung wurde während des Krieges getötet. 1943 fanden zahlreiche aus Hamburg stammende Menschen, deren Wohnungen durch die Bombenangriffe zerstört wurden, eine Unterkunft in den hiesigen Gemeinden. In den letzten Kriegswochen und im ersten Nachkriegsjahr wurden viele Geflüchtete und Heimatvertriebene aus dem Osten hier aufgenommen. Die Bevölkerungszahlen in Götzberg, Henstedt und Ulzburg verdoppelten sich. Die Bewältigung der Kriegsfolgen mit Lebensmittel- und Brennstoffknappheit, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot stellte die Bevölkerung vor schwierige Aufgaben. Zur gemeinsamen kommunalen Verwaltung der Gemeinden Götzberg, Henstedt, Ulzburg, Alveslohe, Ellerau und Wakendorf II wurde 1946 das Amt Ulzburg geschaffen.

Zu sehen ist eine Luftbildaufnahme in Schwarz-Weiß. Zentral in der Bildmitte ist das alte Verwaltungsgebäude der Gemeinde Henstedt-Ulzburg circa Anfang der 1970er Jahre zu sehen, welches sich an der Ecke Hamburger Straße/Beckersbergstraße befand.
Luftaufnahme der Hamburger Straße mit der Gemeindeverwaltung (1972)

Wachstumsgemeinden am Rand der Großstadt

Die niedrigen Grundstückspreise und die vorhandenen Eisenbahn- und Busverbindungen machten die ehemals landwirtschaftlich geprägten Dörfer vor den Toren Hamburgs bald zu beliebten Wohnorten. Seit Ende der 1950er-Jahre kam es zu einer anhaltenden Zuzugsbewegung – insbesondere aus der nahen Großstadt. Es entstanden große Neubausiedlungen in Ulzburg, Ulzburg-Süd und auf dem Rhen. Der Bauboom mit den damit verbundenen Problemen in der Infrastruktur führte 1960 zur Gründung des Planungsverbandes Henstedt-Ulzburg, um für die beiden benachbarten Orte gemeinsame Bauleitpläne aufzustellen und die Wasserversorgung zu sichern.

Abgebildet ist die Gemeindevertretung der Wahlperiode 1974 bis 1978 bei einer Sitzung im Gasthof Scheelke. Es ist ein Schwarz-Weiß-Foto. Im Bildhintergrund steht Bürgermeister Glück an einem Rednerpult. Die übrigen Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde, die mehrheitlich Männer sind, sitzen an Tischen.
Gemeindevertretung (1974-1978) im Gasthof Scheelke

Ab 1965 erhielt die Gemeinde Ulzburg eine eigene hauptamtliche Verwaltung. Auch Henstedt hätte gern eine solche Lösung für sich in Anspruch genommen, nachdem der Bevölkerungszuwachs im Ortsteil Rhen weit vorangeschritten war und hier genauso viele Menschen lebten wie im alten Dorf Henstedt. Von den verschiedenen Neuordnungsplänen für das Hamburger Randgebiet wurde schließlich der Vorschlag des Kreises Segeberg und der Kieler Regierung – zunächst gegen Bedenken der beteiligten Gemeinden – in die Tat umgesetzt und die Gemeinden Henstedt und Ulzburg zur Großgemeinde zusammengelegt. Götzberg, das sich seinen dörflichen Charakter bewahrt hatte, schloss sich ebenfalls der neuen Großgemeinde an.

Das am 01.01.1970 gegründete Henstedt-Ulzburg blieb eine Wachstumskommune. Sie wies jahrelang den höchsten Bevölkerungszuwachs aller Gemeinden des Landes auf. Von circa 9.500 (1970) stieg die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner binnen zehn Jahre auf über 18.700 (1980). Nach der stürmischen Entwicklung bis zur Mitte der 1970er-Jahre wurde jedoch eine Phase langsameren Wachstumes eingeleitet und die Infrastruktur erheblich verbessert. 

Weitere Quellen und Informationen